Fastelovend 2.0 – Singen, Schunkeln, Sharen

Fastelovend 2.0 – Singen, Schunkeln, Sharen

Wer länger in Köln lebt, der kommt um den Karneval nicht herum. Entweder er oder sie stürzt sich kopfüber hinein oder verlässt die Stadt während der heißen Phase zwischen Weiberfastnacht und Veilchendienstag. Die 5. Jahreszeit durchdringt am Rhein nahezu alle Lebens- und Kulturbereiche, und so thematisierte auch der letzte #SoMeK die Verbindung zwischen Karneval und Social Media. Dass der 12. #SoMeK ausgerechnet im Januar im Zeichen der Narrenkappen stand, war beileibe nicht selbstverständlich, denn wir befinden uns mitten in der „Session“. Dabei handelt es sich um die Hauptsaison der 111 Karnevalsvereine in der Rheinmetropole, die 2016 mit nur fünf Wochen besonders kurz und randvoll mit Terminen ist.

Wüst und Frank

Dr. Joachim Wüst und Dr. Marie Frank

Ein dreifaches Kölle Alaaf daher auf die Große Kölner Karnevalsgesellschaft e.V. 1882, dessen Präsident und Social Media-Verantwortliche trotz Sessionsstress beim #SoMeK in der Bütt standen, um über die Herausforderungen eines Traditionsvereins in den sozialen Medien zu berichten. Dr. Joachim Wüst und Dr. Marie-Christine Frank bereiteten den kölschen #SoMe-Jecken einen formidablen Abend, der in einer überraschenden Ordensverleihung an alle Teilnehmenden gipfelte.

Im Zentrum des Abends stand die Frage: Wie passen ein alteingesessener Karnevalsverein und moderne soziale Online-Netzwerke zusammen? Wo liegt die Verbindung zwischen Schunkeln und Sharen und ergibt das überhaupt einen Sinn? Wüst und Frank berichteten von einer breit angelegten Social-Media-Kampagne der Karnevalsgesellschaft, die dazu dienen sollte, mehr junge Menschen und mehr Frauen für den traditionellen Fastelovend zu interessieren. „Wenn man als Karnevalsverein neue und junge Leute gewinnen möchte“, sagt Joachim Wüst, „dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: eine Tanzgruppe gründen oder in Social Media aktiv werden.“ Die Großen Kölner wählten die zweite Option.

Sein oder Nichtsein – „Ich bin Große Kölner – und Du?“

Zunächst hoben die Jecken eine Mitgliederkampagne aus der Taufe. Unter dem Motto „Ich bin Große Kölner – und Du?“ wurden in einem Bonner Studio sieben Imagespots mit authentischen Jecken als Protagonisten gedreht, die über die Online-Kanäle der Karnevalsgesellschaft verbreitet wurden. Prompt verzeichnete die Frack- und Familiengesellschaft 1.000 neue Facebook-Fans, und dies diente als Ansporn, unmittelbar neue Ideen aus der Komiteemütze zu zaubern. Als nächstes wurde die Webseite komplett überarbeitet. Der Relaunch auf kölsch und hochdeutsch vollzog sich standesgemäß zum Sessionsbeginn am 11.11.2014. Zusätzlich funktionierte man den 22er-Rat der Karnevalsgesellschaft zum 33er-Rat um, damit 11 neue und junge Leute die Chance hatten, mit frischem Wind den Staub vom Image eines Karnevalsvereins zu fegen.

Angriff aufs Appell-Ohr: „Ich Cantz, die Große Kölner kann´s und Du kannst es auch“

Damen und Herrenorden

Stolze Besitzerin des Damen- und des Herrenordens der GK

Einer der neuen Rats-Jecken besaß Kontakte zur Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). So wurde die Idee geboren, unter den Karnevalisten nach neuen Spenderinnen und Spendern zu suchen. Gemeinsam mit TV-Moderator Guido Cantz starteten die Großen Kölner und die DKMS die Aktion „Social Jeck gegen Blutkrebs“. Klare Botschaft an das Appell-Ohr: „Ich Cantz, die Große Kölner kann´s und Du kannst es auch“. Als mediales Zugpferd diente eine waschechte Lebensrettergeschichte: Georg Patzer aus Wolfsburg rettete dem damals 13-jährigen Kölner Fabian Artmann mit einer Knochenmarkspende das Leben. Im Rosenmontagszug 2015 begegneten sich Spender und Patient das erste Mal. Der Kölner Ford-Arbeiter nahm den VW-Arbeiter Georg aus Wolfsburg unter die Fittiche, der noch nie zuvor Karneval gefeiert hatte. Bilanz der Geschichte: 8.000 Karnevalisten wurden bei den Sitzungen der Großen Kölner und zusätzlich über deren soziale Medien auf die Arbeit der DKMS aufmerksam gemacht. Die Spender-Patienten-Begegnung erzielte hohe mediale Präsenz, die alle regionalen Medien aufgegriffen hatten. Durch die Präsenz der DKMS auf den LED-Leinwänden im Rosenmontagszug (siehe unten)  kam ein Millionenpublikum mit der Botschaft in Kontakt. 2.500 Seitenbesucher (unique pages viewes) hatten sich durchschnittlich acht Minuten auf der extra dafür eingerichteten Seite www.dkms.de/karneval informiert, und 100 Personen registrierten sich spontan als Knochenmarkspender über die Landing Page bei der DKMS.

He un am Zockerhot: social jeck und kunterbunt vernetzt

Ordensverleihung

Traditionelle Ordensverleihung beim #SoMeK

Höhepunkt der Online-Aktivitäten war 2015 das komplett vernetzte multimediale Online-Schlachtschiff der Großen Kölner im Rosenmontagszug. Den Impuls dazu hatte Dr. Wüst aus Rio de Janeiro mitgebracht, denn dort wird mit solch technisch versierten Wagen schon lange gearbeitet. Um die brasilianische Idee am Rhein umzusetzen, wurde der Rosenmontagswagen der Großen Kölner mit zwei je acht Quadratmeter großen LED-Wänden ausgestattet. Vier Kameraleute befanden sich an Bord, um das bunte Treiben rund um den Wagen live einzufangen. „Sende JETZT deine Nachricht/dein Bild auf den LED-Wagen der Großen Kölner“ hieß es auf allen verfügbaren Kanälen: Zuschauer im Rosemontagszug und vor den Fernsehern konnten ihre Posts unter dem Hashtag #liveimzoch senden oder sich als Zaungäste des Rosenmontagszuges selbst an den Wänden des Wagens sehen. Im Bauch des Kolosses bearbeiteten zwei Personen in einer komplett ausgestatteten Regieeinheit die Videos aus dem oberen Teil des Wagens und die Einsendungen der Zuschauer. Im Akkord projizierten sie Videoschnipsel, Tweets, Post und Grußbotschaften auf die LED-Leinwände. Das Motto des Rosenmontagszugs 2015 „Social Jeck – kunterbunt vernetzt“ fand damit eine passende Entsprechung.

Mit der Aktion gelangten die Großen Kölner auf Platz vier unter den Top 20 beim Social Media-Ranking aller Karnevalsgesellschaften der Karnevalsagentur und wurden im Januar vom Kölner Stadtanzeiger auf Platz 1 gewählt. Nach ihrer erfolgreichen Social Media-Kampagne freuten sie sich über 152 Prozent mehr Facebookfans und mehr als 40 Neumitglieder, darunter viele junge Frauen.

Bleibt abzuwarten, was sich die Großen Kölner für die kommenden Karnevalstage ausgedacht haben, in der in Köln alles op de Kopp gestellt werden soll. Interessierte können die Aktivitäten unter dem Hashtag #grossekoelner (@grossekoelner) verfolgen.

Vielen Dank an Dr. Marie Christine Frank und Dr. Joachim Wüst für den informativen und lustigen Abend und die Einführung in das Hofzeremoniell der kölschen Ordensverleihung.

By | 2018-04-17T22:08:33+00:00 2. Februar 2016|Categories: #SoMeK|0 Comments

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Martina kümmert sich bei #SoMe um die Organisation und Durchführung der Stammtische in Köln. Sie ist freie Beraterin für Public Relations und Social Media.

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