„Es geht nur noch um Change.“

„Es geht nur noch um Change.“

Ein Rückblick auf den 12. #SoMeOL zum Thema Online-Strategie der Nordwest-Zeitung

„Es geht nur noch um Change.“ Mit diesem Gedanken leiteten Denis Krick, Leiter Onlineredaktion und Mitglied der Chefredaktion, und Daniel Schütte, Leiter Online-Produktentwicklung, von der Nordwest-Zeitung (NWZ) den 12. #SoMeOl im Technologie- und Gründerzentrum Oldenburg (TGO) ein. In ihrem Vortrag zum Thema „Traditioneller Journalismus im Web – die Paywall von NWZonline“ zeigten sie den etwa 30 Teilnehmern auf, welche Strategie die NWZ bei ihrem Online-Angebot verfolgt.

Das Angebot: flexibel und User-gerecht

Daniel Schütte

Daniel Schütte, Leiter Online-Produktentwicklung, vor seinem Vortrag zur Online-Strategie der NWZ

Wie fast jedes Printmedium ist auch die NWZ davon betroffen, dass Auflage und Werbeumsätze sinken. Das mit 840.000 Unique Usern in der Region reichweitenstärkste Nachrichtenportal wird deswegen im Januar 2015 eine Metered Paywall einführen. Das Modell sieht vor, eine bestimmte Anzahl an Artikeln gratis zugänglich zu machen, danach aber den User zur Kasse zu bitten. In Planung sind ein multimediales ePaper sowie ein digitales Archiv mit allen gedruckten Ausgaben seit 1946. Bereits gestartet ist ein neues Mobilportal, das seit Anfang Dezember sämtliche Inhalte optimal auf mobilen Endgeräten anzeigt. „Die drei Produktsäulen Print, ePaper und Web sind frei kombinierbar“, erklärt Daniel Schütte. So wolle man ein möglichst flexibles und auf die Lesegewohnheiten und Bedürfnisse des Users zugeschnittenes Angebot schaffen.

Früher: digitales Abbild der Print-Ausgabe. Heute: offensive Content-Strategie.

16.12.2015 - some06

Denis Krick, Leiter Onlineredaktion und Mitglied der Chefredaktion bei der NWZ, im Dialog mit Teilnehmern

Für die Umstellung auf eine zeitgemäße Online-Präsenz müsse ein grundsätzlicher Wandel stattfinden, ist der Ansatz von Denis Krick. „Noch 2013 war der Internet-Auftritt der NWZ ein digitales Abbild der gedruckten Ausgabe, hier und da ergänzt durch Fotos und Videos“, erzählt der ausgebildete Journalist rückblickend. Mit einer strategischen Grundsatzentscheidung setze die NWZ Unternehmensgruppe nun auf eine offensive Content-Strategie auch im Onlinebereich. Das Ziel sei, attraktive Inhalte für die Webpräsenz zu schaffen. „Nur ein qualitativ hochwertiges Angebot kann nachhaltig am Markt bestehen“, weiß Denis Krick. Das setze eine Zeitung im positiven Sinne unter Qualitätsdruck. „Nur überzeugte User zahlen für eine regelmäßige Nutzung.“

Was es braucht? Ein Umdenken in den Redaktionen.

Dazu wurde die Online-Redaktion von zwei auf acht Mitarbeiter verstärkt. Das Team werde zukünftig den Fokus auf eigene Storys richten, die im Web ausführlicher und zudem multimedial aufbereitet werden könnten. „Auf diese Weise wollen wir den Lesern gehaltvolle Artikel und damit Mehrwert bieten“, so Kricks Intention. Hierfür werde das CMS entsprechend optimiert, bestätigt Kollege Daniel Schütte. „Neben der Technik braucht es ein Umdenken in den Redaktionen“, ergänzt Krick. Dies sei auch noch in einer anderen Hinsicht erforderlich. „Eine Zeitung muss Profil und ein Journalist Meinung zeigen“, ist der Leiter Online überzeugt. Hierzu sei insbesondere der Blog als Medium geeignet. Sechs an der Zahl pflegt die NWZ bereits, u.a. zu den Themenbereichen Fußball, Kulinarik und Kultur.

NWZonline – das anarchistische Kind der NWZ

Weitere Pfeiler der Web-Präsenz bilden die Live-Berichterstattung in Form von Tickern, Chats und Streams sowie Social Media-Aktivitäten. Jede Lokalredaktion wird zukünftig neben der Online-Lokalrubrik auch einen eigenen Facebook-Auftritt pflegen. Mit der Kehrseite der Social Media hat die Online-Abteilung der NWZ allerdings bereits Erfahrung gemacht. „Wenn’s Ärger gibt, sind plötzlich alle auf Twitter“, hat Krick festgestellt. Eine schnelle Reaktion und Wertschätzung gegenüber den Lesern seien dann gefragt.

Grundsätzlich würde Denis Krick und Daniel Schütte bei Strategie und Umsetzung viel Freiraum gewährt, betonen beide. „NWZonline ist als anarchistisches Kind der NWZ akzeptiert“, formuliert es Krick. Dass er Mitglied der Chefredaktion sei, könne man dafür als Signal werten.

Fazit

In Denis Krick und Daniel Schütte hat #SoMe zwei eloquente Redner gefunden, die den Teilnehmern interessante Einblicke und Hintergründe zur Online-Ausrichtung der NWZ nahegebracht haben. Für Irritationen sorgte allerdings folgende Aussage von Denis Krick: „Alles, was eine Headline hat, geht online.“ Hierzu gab es kritische Rückfragen aus dem Publikum. Zum einen sei bei einem automatisierten Prozess nicht garantiert, dass die Inhalte weboptimiert und somit für die Online-Nutzung geeignet seien. Zum anderen sei hinter diesem Vorgehen keinerlei inhaltliche Strategie zu erkennen. Print und online würden unterschiedliche Zielgruppen bedienen, wie Krick zuvor selbst ausgesagt hatte („Die NWZ erreicht online gefühlt mehrheitlich andere Leser als mit der Printausgabe.“). Daher müsse doch der Content entsprechend anders generiert und ausgerichtet werden und könne nicht ungefiltert in die Internet-Präsenz einfließen.

„Dabei handelt es sich  um einen technischen Umstand“, wandte Krick ein. Das System importiere automatisch jeden Artikel mit Headline und sei dementsprechend online via Suchmaschinen wie Google aufzufinden. „Diese Artikel tauchen aber keineswegs auf der Startseite oder den regionalen Übersichtsseiten auf, werden also auch nicht unserem Publikum präsentiert.“ Der automatisierte Import habe früher die Seite von NWZonline stark geprägt, sei aber in den vergangenen zwölf Monaten stark zurückgefahren worden. Inhaltlich werde zukünftig also sehr wohl differenziert. „Wir wollen zielgerichtetes Channelmanagement betreiben – wo publizieren wir wann welche Inhalte?“, entgegnet Krick und betont: „Es sollen nicht nur die Print- die Online-Inhalte prägen, sondern auch umgekehrt.“

16.12.2015 - some01

Der Input der Referenten regte zur Diskussion an

Genau: Es geht eben um Change. Wir sind gespannt auf den Wandel.

 

Danke sagen tut gut

Danke an die Referenten Denis Krick und Daniel Schütte

Danke an das Technologie- und Gründerzentrum Oldenburg (TGO) für die optimale Location

Danke an Vera und Michael von ElizZ Magazin für die Bilder des Abends

Danke an media Werbung für die „#SoMe“-Becher, die jeder Teilnehmer als Geschenk überreicht bekommen hat

Danke an alle Teilnehmer für die angeregte Diskussion zum Vortrag und den anschließenden Austausch

 

So geht es weiter

Der nächste #SoMeOl findet am Mittwoch, den 4. Februar, beim TeleTeam zum Thema „Digitale Fahndung – Polizeiarbeit trifft Social Media“ statt.

About the Author:

Mareike ist bei #SoMe für den redaktionellen Workflow zuständig. Sie arbeitet bei Mediavanti als Leitende Redakteurin und Social Media Managerin.

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