„Wenn man angeben kann, soll man es auch tun“ – Social Media Strategien der #SMAK14

„Wenn man angeben kann, soll man es auch tun“ – Social Media Strategien der #SMAK14

Rückblick von der 7. Social Media Anwenderkonferenz von Sebastian Neumann, Martina Rieken und Marcus Wirtz (in alphabetischer Reihenfolge) – und deswegen ist der Bericht auch so lang geworden 😉

Köln hat sich von seiner besten Seite gezeigt, als am Donnerstag, dem 4. September 2014, die Social-Media-Anwenderkonferenz in der Südstadt stattfand. Blauer Himmel, Sonnenschein und das altehrwürdige Gebäude der Fachhochschule Köln bildeten einen angenehmen Rahmen für die Veranstaltung, die zum siebten Mal in Köln von Infospeed realisiert wurde. Auf der Tagesordnung stand ein bunter Mix aus Themen und Referentinnen und Referenten, die sich folgenden Fragen widmeten: wie arbeiten wir konkret mit Social Media und welche Erfahrungen können wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mitteilen?

„Wir genießen Glaubwürdigkeit bei den Fans, die glauben uns eher als der BILD-Zeitung“

1. FC Köln GmbH & Co. KGaA “Ran an die Fans! Die Social-Media-Strategie des 1. FC Köln” Tobias Kaufmann (Leiter Medien & Kommunikation)

1. FC Köln GmbH & Co. KGaA
“Ran an die Fans! Die Social-Media-Strategie des 1. FC Köln”
Tobias Kaufmann
(Leiter Medien & Kommunikation)

Anstoß durch den 1. FC Köln: Tobias Kaufmann, Leiter Medien & Kommunikation des Vereins, gab einen fundierten Einblick in die Social Media-Strategie und –Aktivitäten des Fußballvereins. Und die scheinen sehr erfolgreich. So war der FC DAMALS als Zweitligist der Verein mit der europaweit höchsten Social Media Reichweite. „Wenn man angeben kann, soll man es auch tun“, schmunzelt Kaufmann angesichts des Eigenlobs und erklärt seinen Erfolg: „Wir genießen Glaubwürdigkeit bei den Fans, die glauben uns eher als der BILD-Zeitung.“

Dabei hatte der Höhenflug mit einer Katastrophe begonnen, als der 1. FC Köln aufgrund von Streitigkeiten mit der „internen Opposition“ das Fanforum im Internet geschlossen hatte. Diese Aktion sorgte für viel Unmut. Es wurde ein Arbeitskreis aus der Taufe gehoben, in den auch die sogenannten externen „Influencer“ der Fanszene integriert wurden. Ergebnis war der Social Hub des 1. FC Köln, der sich seitdem großer Beliebtheit erfreut. Dabei handelt es sich um eine Online-Präsenz, die online alles um den FC herum zusammenstellt. Es werden keine eigenen Inhalte erstellt: der Social Hub speist sich allein aus kuratiertem Content.

Yelp und die Bedeutung von Bewertungsportalen

Auf den 1. FC Köln folgte die Bewertungsplattform Yelp mit einem Beitrag über die Bedeutung von Bewertungsportalen und ihr Angebot im Großraum Köln. Produktmanager Oliver Eitel liebt sein Produkt, das machte den Vortrag sympathisch. Yelp geht es darum, lokale Hypes zu verfolgen und online für die Community bereit zu stellen. Beliebt sei die Empfehlungsplattform für lokale Neulinge und die Suche nach Lokalen oder Dienstleistungen vor Ort. Das Angebot ist für Nutzer kostenlos. Und wie wird Geld verdient? „Mit Anzeigen, ganz normal“, sagen Eitel und sein Kollege.

Mut zum kontrollierten Kontrollverlust

1LIVE/Westdeutscher Rundfunk Köln Wie erreicht man die junge Zielgruppe? Schiwa Schlei (Leiterin Internet-Redaktion)

1LIVE/Westdeutscher Rundfunk Köln
Wie erreicht man die junge Zielgruppe?
Schiwa Schlei
(Leiterin Internet-Redaktion)

Der WDR kam als nächstes auf den Plan, um den Konferenzteilnehmern zu erläutern, wie man heutzutage die junge Zielgruppe erreicht. Schiwa Schlei, Leiterin der Internet-Redaktion von 1Live, stellte dar, wie der Social Stream heutzutage die klassischen Medien als Informationsquelle ablöst. Medienmacher müssten ihre Rolle also neu definieren, so Schlei. In der Internetredaktion von 1Live übernehmen das „ drei sich selbst ausbeutende Onliner“, die mit Leib und Seele bei der Sache sind. Die Interaktion mit dem Publikum erfolgt bei dem Radiosender zum großen Teil über den 1Live-Radar: darüber erhalten die Moderatorinnen und Moderatoren permanent Input aus dem Social Stream- direkt in die laufenden Live-Sendungen und können diesen einbauen. Schleis wichtigster Tipp: Mut zum kontrollierten Kontrollverlust. „Ich kann nicht verhindern, dass unter meinem Label dann Dinge veröffentlicht werden, hinter denen ich nicht zu 100% stehe“, sagt die Moderatorin. Wichtig sei es dann, dass man gelassen bleibe. „Kontrolle kann ruhig abgegeben werden, Authentizität ist dann am relevantesten“ gab Schlei den Zuhörerinnen und Zuhörern mit auf den Weg.

 Social Media sind kein Lotto-Spiel

Ein sehr konservatives Unternehmen schloss an den Vortrag von Schiwa Schlei an. Ute Hamelmann (bekannt als Bloggerin und Comic-Zeichnerin Schnutinger) von WestLotto berichtete begeistert über die Aktivitäten der relativ neu gegründeten Online-Unit des Glücksspielbetriebs. Acht Leute kümmern sich bei WestLotto um die Kommunikation im Internet. Sie unterstehen direkt der Geschäftsführung und sind organisatorisch nicht der Unternehmenskommunikation, sondern dem Vertrieb zugeordnet. Hamelmann berichtete sehr praxisnah und detailliert über zahlreiche Projekte und Vorhaben, an denen die Online-Unit derzeit arbeitet. Dabei stellte sie ausführlich die Herangehensweise ihres Teams in der Social Media Welt dar und gab viele Tipps aus der Praxis.

2.270 DEVK-Niederlassungen und nur uncoole Produkte?

Die wohl lässigste Performance des Tages lieferte Philip Göpfert von der DEVK-Versicherung. Ihm war kurz vor seinem Vortrag der Rechner abgestürzt, und er musste seinen Vortrag über Social Media Aktivitäten von Versicherungsfilialen komplett und ohne visuelle Hilfe aus dem Gedächtnis rekonstruieren. Beneidenswert souverän erläuterte Göpfert mit seinem handgeschriebenen Spiekzettel, wie die Versicherer ihre Online-Aktivitäten angehen. Demnach werden Social Media nicht als weitere PR- oder Marketingkanäle gesehen, sondern als weitere Dialogplattform für den Kundenkontakt genutzt. Eigentlich nichts weiter als eine Ergänzung zu Post, Fax, E-Mail und Telefon, mit denen die Filialleiter und ihre Mitarbeiter die Anliegen der Kunden bearbeiten.

Digitales Branding im Social Web – Der Aufbau einer Fashion Marke

Sehr detailliert erläuterte Tanja Bogumil, Mitgründerin und Geschäftsführerin des Mode-Start-ups Kisura aus Berlin, ihre Social-Media Strategie und das gesamte Konzept von Kisura. Dieses ist im Grunde ein Onlineshop für Damenmode, der sich aber durch eine persönliche und individuelle Stilberatung der Kundinnen und Kunden vom Wettbewerb unterscheidet. Bogumil erläuterte, wie über Social Media seit der Gründung der Kontakt zu den drei Zielgruppen hergestellt und sukzessiv durch Dialoge eine eigene Community aufgebaut werden konnte. Kisura setzt dabei auf aktiven Dialog und ist auf diesem Weg seinen Kunden sehr nah. Dabei steht nicht unbedingt der „Sale“ Charakter im Vordergrund. Mit einem ausgewogenen Mix aus Neuigkeiten der Modebranche, News aus dem Unternehmen, neuen Produkten sowie einem grober Redaktionsplan über das gesamte Kalenderjahr realisiert Kisura seinen Social Media Auftritt und will seiner Community echten Mehrwert bieten. Ein sehr aufschlussreicher und lebendiger Vortrag, der zeigt,e wie Social Media das klassische Marketing bereichern und zum Unternehmenserfolg beitragen können.

Blick in die Hörsaalrunde - 7. Social Media Anwenderkonferenz

Blick in die Hörsaalrunde – 7. Social Media Anwenderkonferenz

Insgesamt war die Veranstaltung eine runde Sache. Zwischen den Vorträgen waren ausreichend Pausen eingeplant, in denen man bei Kaffee und Laugengebäck Kontakte knüpfen und Gespräche führen konnte. Von Vorteil war an diesem sonnigen Tag auch Kombination aus langer Mittagspause und der unmittelbaren Lage der Fachhochschule am Römerpark. Das Catering war übrigens einwandfrei. Auch für vegetarische und sogar vegane Teilnehmerinnen und Teilnehmer gab es leckeres Essen in guter Auswahl. Danke an den Veranstalter Infospeed für die gelungene Veranstaltung.

About the Author:

Martina kümmert sich bei #SoMe um die Organisation und Durchführung der Stammtische in Köln. Sie ist freie Beraterin für Public Relations und Social Media.

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