Rückblick 2. #SoMeH – Stammtisch: Social Media Vorurteile

Rückblick 2. #SoMeH – Stammtisch: Social Media Vorurteile

Unternehmer, Marketingverantwortliche und Social Media Begeisterte trafen sich erneut zum Social Media Stammtisch in Hannover und im Gegensatz zum ersten Treffen war die Teilnehmeranzahl gleich einmal auf das Doppelte gestiegen.

Kein Wunder, denn Gastreferent war kein geringerer als Gero Plüger – der Social Media Experte für KMU’s mit dem Ziel Kunden zu unterstützen erfolgreicher im Social Web zu werden. Das Thema des Abends und seines Impulsvortrags waren Vorurteile gegenüber Social Media. Das Interesse war riesig und gebannt lauschten alle Teilnehmer Gero Pflüger wie er zunächst damit startete generell in das Thema Internet und Social Media einzuführen. Ganz ohne Präsentation, Leinwand und Mikro lieferte der Referent Zahlen, Daten und Fakten, auch so, dass man sie behielt.

Die German Angst

Gerade in Deutschland ist die Angst vor Social Media groß. Unternehmer vermuten Veröffentlichungen von Firmengeheimnissen, Datenschutzverluste oder glauben schlichtweg die Zielgruppe sei nicht im Social Web. Für all diese Vorurteile hat Gero Pflüger Gegenargumente. In Deutschland sei die Angst vor Social Media besonders groß, besonders ein möglicher Kontrollverlust lässt Unternehmer und Geschäftsführer zweifeln. In den USA werde dieses deutsche Verhalten mit „German Angst“ bezeichnet, so Gero Pflüger. Und das ist tatsächlich so. In Deutschland werden die Potenziale von Social Media  beim Großteil der Unternehmen nicht erkannt oder gar ignoriert. In 2014 geben 56% der Unternehmen nach einer Studie an, dass sie keine Social Media nutzen. Es wird sich nicht viel verändert haben.

Die Vorurteile der persönlichen Nutzung von Social Media

Gero Pflüger starte erst einmal mit den Vorurteilen, die Menschen im persönlichen Umgang mit Social Media haben.

1. Datenschutz

Bezüglich des Datenschutzes gäbe es in Deutschland tatsächlich ein Problem, so Gero Plüger. Aber nicht weil die Unternehmen Facebook, Twitter und Co. in den USA sitzen und den dortigen Bestimmungen folgen, sondern weil die deutschen Datenschutzgesetze aus den 80er und 90er Jahren stammen. Der deutsche Gesetzgeber ist schlichtweg bei der Digitalisierung nicht mitgekommen. Entgegen einschlägiger Meinungen, verkaufen die US-amerikanischen Firmen auch keine Daten an Dritte. Sie stellen lediglich anonymisierte Daten für zielgenaue Werbung in den sozialen Netzwerken zur Verfügung. Die Werbetreibenden haben keinen Zugang zu persönlichen Daten eines Users. Vielen ist auch unbekannt, dass die Facebook Nachrichtendienste wie der Facebook Messenger und Whatsapp, neben Apples Angeboten wie iMessage und Facetime, die beste Verschlüsselung haben. Da wundert es keinen wieso die NSA Zugänge verlangt.

2. Hass in sozialen Netzwerken

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass viele Menschen ihre Profile in den sozialen Medien wie Ventile für ihren Hass und Frust nutzen. Aber ein jeder User hat die Möglichkeit solche Posts oder Accounts zu melden. Je mehr das tun, desto schneller reagieren Facebook, Twitter oder Instagram. Natürlich tun sie das bei Nacktinhalten viel schneller und das ist ein großes Problem. Aber indem wir Menschen durch Melden oder Blockieren aus unseren Streams entfernen, verlieren sie an Reichweite und vermiesen uns nicht mehr den Tag. Genauso wie man Demos von Nazis entgegentreten kann, können wir uns auch über die sozialen Netzwerke wehren. Die andere Möglichkeit wäre lediglich es zu ignorieren. Hier sprach Gero Pflüger auch mögliches Verhalten bezüglich des allseits gefürchteten Shitstorms an. Reagieren ist immer besser als zu ignorieren und zu hoffen, dass es aufhört.

Demografiedaten Deutschland aus Facebook

Demografie Daten für Deutschland aus den Audience Insights von Facebook.

3. Altersgruppen

Ein bekanntes Vorurteil von Unternehmern ist, dass die Zielgruppe des Unternehmens (zum Beispiel Entscheider) nicht in den sozialen Netzwerken sind oder dass Social Media nur etwas für die Jugendlichen sei. Genau das ist eben nicht der Fall. Gerade Facebook und Twitter sind Netzwerke in denen die Altersgruppe Ü45  am stärksten wachse, so Gero Pflüger. Das heißt für B2B Unternehmen: Entscheider sind auf Facebook und sie interessieren sich auch in ihrer Freizeit für Inhalte bzgl. ihres Unternehmens. B2C Unternehmen mit Kunden aus den älteren Altersgruppen sei gesagt, dass sich ihre Kunden mit großer Sicherheit auf Facebook aufhalten oder sich dort potenzielle Kunden finden lassen.

4. Deutschland – das Hardwareland

In Deutschland wissen viele Unternehmer schlichtweg nicht, dass sie ganz entscheidend etwas verpassen. „Wir sind eine Industrienation, wir machen tolle Autos“ sind ja die Sätze, die man hört. Gero Pflüger sagt dann ganz energisch, ja, wir sind ein Hardwareland und andere Länder produzieren schon längst Autos, die mit Software laufen. In Deutschland würde nicht erkannt werden, was man in ein paar Jahren wirklich brauche und was nicht. Wir sind Digitales Entwicklungsland. Das fängt bei der schlechten Breitbandvernetzung und dem Zugang zum Internet an und endet bei der ewig weiter entwickelten Hardware. Viele erschrecken bei dieser Aussage und glauben es schlichtweg nicht. Aber während wir noch toller und billiger oder schneller produzieren, entwickeln Techfirmen in anderen Ländern längst Software, die vieles obsolet macht. Einsicht ist der beste Weg zur Besserung. J (Satz der Autorin)

Dies sind nur einige Vorurteile und negative Standpunkte gegenüber Social Media. In seinem Vortrag sprach Gero Pflüger noch einiges mehr an. Nachdem er seine Ausführungen gegen 20.00 Uhr beendete und mit dem persönlichen Teil von Social Media fertig war, in dem er noch nicht direkt auf die Nutzung im Betrieb einging, übernahm er dies in kleineren Gesprächen später nach dem Essen. Dafür man ihm sehr dankbar.

Gero Pflüger mit Zuhörern

Man hing ihm förmlich an den Lippen.

Die Gruppe löste sich erst nach und nach auf. Aufgrund der größeren Teilnehmerzahl bot das Schönwalds La Sall uns eine gesonderte Tageskarte mit leckeren Speisen für den bewussten Esser und Genießer. Im November soll es wieder einen Stammtisch geben, die Vorbereitungen laufen. Der Termin wird über Xing und diese Website verbreitet.

About the Author:

Anna Franzen ist social unterwegs. Das heißt sie berät und betreut Kleine Unternehmen dabei mit ihren Geschichten sichtbarer in den Social Media zu werden. Als Reisebloggerin probiert sie Trends beim Bloggen und in den sozialen Netzwerken gleich selber aus.